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  Einführung Chronologie Der Philosoph und Mystiker Der Richter  
Haupttext Anekdoten

Ostad Elahi lebte in einer Zeit, in der die sakrale Musik über Jahrhunderte hinweg ein Teil des täglichen Lebens war. Von klein auf zeigte er eine außergewöhnliche musikalische Begabung, vor allem auf der Tanbur (Laute), die in der Tradition, der er zugehörte, das bedeutendste Instrument darstellte. Sein Vater Hadschi Nemat, selbst einer der größten Tanbur-Spieler seiner Zeit, übernahm seine Ausbildung. Da die Hände und Arme des Kindes zu klein waren, bastelte er ihm aus einem hölzernen Schöpflöffel eine Tanbur in der richtigen Größe. Unter den Mystikern und Pilgern, die aus unterschiedlichen Ländern des Orients anreisten, um Hadschi Nemat einen Besuch abzustatten, befanden sich auch viele exzellente Musiker. Das Kind verbrachte viel Zeit mit diesen Reisenden, und auf die Bitten seines Vaters hin weihten die Meister es in die Geheimnisse ihrer Kunst ein.

So machte sich Ostad Elahi von früher Kindheit an mit den technischen Feinheiten der sakralen Musik der kurdischen, lorischen, persischen, türkischen, arabischen und sogar der indischen Traditionen vertraut. Schon im Alter von sechs Jahren hatten sein Spiel und seine Repertoirekenntnis ein Niveau erreicht, das allgemeine Bewunderung hervorrief, und mit neun Jahren war er bereits Meister der Tanbur. Während der folgenden zwölf Jahre, in denen er sich regelmäßig in Askese übte, gelang es ihm, die Bande zu diesem Instrument noch enger zu knüpfen und das bislang unbekannte sakrale Repertoire genauer zu erforschen.

„Während der zwölf Jahre Askese in meiner Jugend nahm ich jeden Abend zur Zeit der Dämmerung meine Tanbur und spielte sakrale Musik. Die Schleier hoben sich… Erst als die ersten Sonnenstrahlen in mein Zimmer fielen, wurde mir bewusst, dass ich die ganze Nacht gespielt hatte.“ (Worte der Wahrheit, Bd. 2, No 58)

Als er 24 Jahre alt war, ließ er sich in Teheran nieder, wo er die kunstvolle persische Musik sowie einige andere Instrumente erlernte, darunter die Tar, die Setar und die Violine. Er traf die größten Musiker seiner Zeit, insbesondere Darvish Khan (1872-1926) und später Abolhasan Saba (1902-1957). Seine beruflich bedingten Versetzungen in unterschiedliche Regionen des Iran nutzte er, um seine Kunst zu erweitern; eine große Rolle spielte dabei seine Berührung mit den Traditionen von Aserbaidschan und Chorassan.

„Zwei Dinge gibt es, für die mir meine Zeit nie zu schade war: der spirituelle Weg und die spirituelle Musik.“ (Worte der Wahrheit, Bd. 1, No 2034)

Ostad Elahi setzte die Musik zum Ziel der Meditation und des Gebets ein. Oft spielte er alleine, manchmal auch im engen Kreis seiner Familie und seiner Freunde, aber niemals in der Öffentlichkeit. Im Jahre 1960 jedoch wurde Musa Marufi, ein Meister persischer Musik, auf ihn aufmerksam. Er verfasste einen langen Artikel über die tiefgreifende Wandlung, die die Begegnung mit Ostad Elahi in ihm bewirkt hatte. Sein Erfahrungsbericht weckte die Neugier der Musikwissenschaftler, und so kamen von diesem Tag an Künstler aus dem Iran, aber auch aus dem Westen, wie z.B. Maurice Béjart oder Yehudi Menuhin, um ihn spielen zu hören. Einhellig bezeugten sie die außerordentliche Wirkung seiner Musik. Die Kombination von herausragendem fachlichen Können und spiritueller Erhabenheit machte es unmöglich, sein Spiel einer systematischen Analyse zu unterziehen. Und so schlugen auch die Versuche von Ruhollah Khaleghi, dem Direktor des Staatlichen Konservatoriums, fehl, einige der Stücke schriftlich niederzulegen.

Von seinem Werk gibt es ca. 40 Stunden an Aufzeichnungen, die seit 1995 nach und nach digitalisiert und veröffentlicht wurden.

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