Zur Person
Zur Person
Zur PersonZur Person
Zur PersonZum Werk
Zur PersonZum Gedankengut
Zur Person
Zur PersonQuellen
Zur PersonFotogalerie
Zur Person
Zur Person
Zur Person   Home
Site MapSucheKontakt

  Einführung Chronologie Der Philosoph und Mystiker Der klassische Mystiker  
Haupttext Anekdoten Artikel: Ostad Elahis Ethik im Beruf

Die meisten Mystiker haben die Welt zugunsten der Zurückgezogenheit eines kontemplativen Lebens aufgegeben. Ostad Elahi hat genau das Gegenteil getan: Er hat einen vorgezeichneten Pfad, der vollständig der Askese und der Andacht gewidmet sein sollte, verlassen, um eine neue Form der Spiritualität zu erforschen – eine Spiritualität, die inmitten der Gesellschaft praktiziert wird und deren zentrales Anliegen es ist, die Aufmerksamkeit beständig auf das Göttliche zu richten und zugleich ein normales Leben unter seinesgleichen zu führen. Als er 1934 das Richteramt übernahm, brach er nicht nur mit einem besonderen Lebensstil, sondern auch mit der gängigen Vorstellung von Mystik an sich. Der neue Kontext eröffnete ihm die einzigartige Möglichkeit, seine Überlegungen in einem geeigneten Umfeld zu vertiefen und die Prinzipien einer Prüfung zu unterziehen.

„Während meiner gesamten Karriere als Richter habe ich jeden Arbeitstag mit den folgenden Worten begonnen: ‚Oh Gott, ich lege mich in Deine Hände. Weil Du weißt, dass meine Intention einzig darauf gerichtet ist, Deinen Willen auszuführen, vergib mir, falls mir je ein Beurteilungsfehler unterläuft.’ Gott sei gepriesen, denn Er hat mich davor bewahrt, Fehlurteile zu fällen.“ (o.A.)

Im Jahr 1895, in dem Ostad Elahi geboren wurde, wurde Persien von den Herrschern der Ghadschar-Dynastie regiert, deren Regentschaft bis ins Jahr 1796 zurückreichte. Im Jahr 1924 gelangte Reza Schah an die Macht, stürzte die Ghadschar und setzte die Dynastie der Pahlavi ein. Sein Hauptanliegen galt in der Folge der schnellen Modernisierung des Landes. Er gestaltete die staatliche Verwaltung nach westlichem Vorbild um und legte den Grundstein für ein neues Rechtssystem: 1926 wurde das Strafgesetzbuch verkündet und zwei Jahre später das Bürgerliche Gesetzbuch.

Natürlich dauerte es einige Zeit, bis diese Umwälzungen nachhaltige Auswirkungen auf die Bräuche und Lebensgewohnheiten einer Gesellschaft hatten, die von der Ghadschar-Herrschaft stark geprägt war. Zu der Zeit, als Ostad Elahi das Richteramt aufnahm, herrschte in Persien, das sich von da an Iran nannte, im Wesentlichen eine quasi-feudale Struktur, in der einflussreiche Familienoberhäupter ihre Position als Herrscher sicherten. Kleinere Städte wurden von Clans regiert, an deren Spitze sich reiche Händler oder Großgrundbesitzer befanden, die das Verwaltungs- und Rechtssystem mittels Korruption und allen möglichen Arten von Druckmitteln kontrollierten.

„Als ich in den Staatsdienst eintrat, war meine Intention, von den Unterdrückern das Recht der Unterdrückten zurückzufordern. Leider sind die Gesetze so angelegt, dass es reicht, ein paar Unterlagen zu unterschlagen, um einen Unschuldigen an den Galgen zu bringen und einen Mörder zu entlasten. Nachdem ich meine Illusionen verloren hatte, war ich zutiefst betroffen.“ (o.A.)

Vor diesem gesellschaftlichen und politischen Hintergrund übte Ostad Elahi in der Zeit von 1934 bis 1957 seinen Beruf aus. Über den gesamten Zeitraum seiner beruflichen Tätigkeit war er dem Druck einflussreicher Familien der jeweiligen Region ausgesetzt, in die er versetzt worden war, und musste die Direktiven eines wankelmütigen Ministeriums ausführen, das zuweilen selbst unter dem Einfluss ebendieser Familien stand. Seine Integrität und die Bemühungen, die er unternahm, um dem Recht ungeachtet der Umstände zur Durchsetzung zu verhelfen, hatten zur Folge, dass er viele Male versetzt wurde – entweder auf Anraten der Honoratioren des Ortes, die erfolglos versucht hatten, ihn zu bestechen, oder auf Initiative seiner eigenen Verwaltung hin, die eine Versetzung veranlasste, weil er sich geweigert hatte, Handlungen oder Entscheidungen auszuführen, die seiner Ethik widersprachen. Diese wiederholten Versetzungen gestalteten das Leben Ostad Elahis besonders schwierig, da sie ihn häufig zwangen, sich von seiner Familie zu trennen, oder ihn in abgelegene und schwer erreichbare Regionen des Landes führten.

„Was die Erfüllung meiner Pflichten als Richter anbelangt, tat ich Dinge, die niemand sonst gewagt hätte, da ich mich nur vor Gott, und nicht vor dem Ministerium, verantworten musste, und mich vor niemandem fürchtete.“ (o.A.)

Trotz dieser Schwierigkeiten übte Ostad Elahi seinen Beruf über fast 30 Jahre hinweg aus. In dieser Zeit stieg er von der Position des Landesrichters bis zu jener des Präsidenten des Berufungsgerichts auf. Als er später auf diesen Abschnitt seines Lebens und die Wirkung, die sein Beruf auf seinen spirituellen Weg hatte, zurückblickte, sagte er, dass ein Jahr in der Verwaltung, in dem er sich bemühte, seine Tätigkeit zur Zufriedenheit Gottes auszuüben, ihn spirituell mehr gelehrt hatte als die zwölf Jahre ununterbrochener Askese seiner Jugend.

Weitere Informationen finden Sie unter Ostad Elahis Ethik im Beruf.

Nach oben www.ostadelahi.com    Offizielle Webseite von Ostad Elahi    Alle Rechte vorbehalten © 1995-2010