Die ersten Jahre
Ostad Elahi wuchs in einer Atmosphäre auf, die vollständig von reiner Spiritualität durchdrungen war. Das entlegene Dorf, in dem er geboren ist, und das in den stillen Ebenen im Westen des Irans liegt, hat über ein Jahrhundert lang bedeutende mystische Persönlichkeiten hervorgebracht und wird als eines der Zentren der iranischen Mystik in dieser Region betrachtet. Seine Eltern, Hadj Nemat und Sakineh Chanom, hatten dem Brauch dieser Zeit entsprechend früh geheiratet und empfanden tiefe Zuneigung und Respekt füreinander. Hadj Nemat, ein bedeutender Vertreter des Ahl-e-Haqq-Ordens, war eine hoch geachtete spirituelle Koryphäe; er war für seinen außergewöhnlichen Glauben, seine Rechtschaffenheit, seinen Mut und seine Weisheit weithin bekannt. Auch war er ein Meister der Tanbur, einer orientalischen Laute, die ausschließlich der sakralen kurdischen Musik vorbehalten war.
Ostad Elahi war noch nicht einmal sechs Jahre alt, als Hadj Nemat eine umwälzende mystische Erfahrung durchlebte, die ihn vollkommen verwandelte. Sie brachte ihn dazu, seinen Regierungsposten und weitere Ämter aufzugeben – er legte sogar die Verwaltung seiner eigenen Ländereien in die Hände seines Bruders Mirza Habib – und sich aus jeglicher materieller Beschäftigung zurückzuziehen. Mit dem Rückzug aus der Gesellschaft begann er ein einfaches, asketisches Leben, vorwiegend in ständigem Gebet und kontinuierlicher Klausur, wie es Derwische und fromme Menschen führten. Diese Gebete und Klausuren waren von knapp aufeinanderfolgenden vierzigtägigen Fasten- und Askeseperioden begleitet, von individuellen und, seltener, Gruppengebeten, von spirituellen Unterweisungen, karitativen Taten und natürlich von Forschung und Schriftstellerei. Seine Ehefrau unterstützte ihn mit ganzen Kräften in seiner Berufung. Sie verzichtete auf all die materiellen Vorteile, an die sie von Kindheit an gewöhnt war, und widmete sich mit ganzem Herzen und allen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen, dem Weg und Ziel ihres Mannes.
Ungeachtet der Tatsache, dass Hadj Nemat die Öffentlichkeit scheute, gewann er aufgrund seiner Wundertaten sehr schnell große Bekanntheit, und in weniger als zwei Jahren hatten sich mehrere tausend Menschen um ihn versammelt, in der Hoffnung, aus seiner segensreichen Anwesenheit Nutzen zu ziehen. Unter ihnen befanden sich auch zweitausend Anhänger, die er Saheb-Zamani-Derwische (‚Herr-des-Zeitalters-Derwische’) nannte. Sie waren von nah und fern gekommen, teilweise sogar aus Übersee, und folgten ihrem Vorbild, indem sie Selbstreinigung suchten sowie Kontemplation und Gebet praktizierten. Es ist bekannt, dass Hadj Nemat sehr verantwortungsbewusst war und außerordentlich großen Wert darauf legte, wie sehr seine Anhänger sich in Selbstbeherrschung übten und wie sich ihr Privatleben gestaltete. Das ging so weit, dass ihnen nicht erlaubt war, Dinge zu tun, die für andere zu dieser Zeit ganz selbstverständlich erschienen, wie z.B. der Genuss von Tabak (in jeglicher Form) oder Schwarztee. Sie durften keine Reichtümer anhäufen und, in besonderen Einzelfällen, nicht einmal in üblicher Weise ein materielles Leben führen. So lange sie sich im Gebetshaus und in der Sphäre der Eremitage von Hadj Nemat aufhielten, wurde von ihnen erwartet, dass sie ein einheitliches [weißes] Gewand trugen und fortwährend die vier Säulen der Ahl-e Haqq Lehre beachteten: Reinheit, Rechtschaffenheit, Demut und Wohltätigkeit.
In dieser spirituellen und reinen Atmosphäre begann der junge Nur Ali einen neuen Lebensabschnitt, dessen Rhythmus von Gebet und Kontemplation bestimmt war und in dem die spirituelle Erziehung eine zentrale Rolle spielte.
„Es hatte sich von Beginn an so ergeben, dass ich an den Versammlungen meines Vaters teilnahm, in Anwesenheit von weiteren 12 Personen, denen ich als Brennpunkt ihrer spirituellen Liebe diente. Sowie die ersten Töne des Zekr erklangen, fing ich an, mich wie ein Kreisel um meine eigene Achse zu drehen und meine langen Haare bildeten eine Erscheinung, die die Teilnehmer in einen besonderen Zauber versetzte. Dies konnte mitunter Stunden dauern – und diese ganze lange Zeit drehte und drehte ich mich.“ (Worte der Wahrheit)
Sein Vater hatte ihn als Kind ‚Fathollah’ genannt‚ doch später rief er ihn aufgrund seiner Liebe und Verehrung, die er für Ali (Cousin und Nachfolger des Propheten Mohammed, der von den Schiiten sehr verehrt wird und in der Tradition der Ahl-e Haqq als Manifestation Gottes gilt) empfand, ‚Kutschak Ali’ (‚kleiner Ali’). Obwohl Kutschak Ali für viele Jahre das einzige Kind im Haus war, erzählte Ostad Elahi später, dass er nie Langeweile empfand. Er musizierte und erfand alle möglichen Arten von Spielen, die von der spirituellen Atmosphäre und Umgebung inspiriert waren, in der er aufwuchs, und die zugleich Spiegel seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit waren. Er imitierte die Sprache der mystischen Persönlichkeiten und ließ sie über spirituelle Themen diskutieren, die er während der spirituellen Nachtwachen von seinem Vater gelernt hatte. Als man ihn Jahre später fragte, ob er nicht darunter gelitten habe, in seiner Kindheit keine Spielkameraden zu haben, sagte er: „Nein, überhaupt nicht.“
Während dieser Zeit spielte die spirituelle Musik in seinem Leben eine zentrale Rolle. Als er begann, die Tanbur zu spielen, war er noch so klein, dass seine Hände den Bund einer normalen Tanbur nicht umfassen konnten. Aus diesem Grund hat man ihm auf Anordnung des Vaters hin aus einem hölzernen Schöpflöffel eine Tanbur in der richtigen Größe gebastelt – damit begann er das Spiel der Tanbur zu erlernen. Aufgrund seines Interesses für die Musik und seines hohen Übungspensums, das ihn oftmals ganze Nächte lang durchwachen ließ, erlangte er in weniger als drei Jahren die Meisterschaft über dieses Instrument, so dass nur wenige Künstler in der Lage waren, die Stücke zu spielen, die er äußerst kunstvoll wiederzugeben verstand. Mag sein, dass die Erfahrung dieser spirituellen Nächte ihn dazu bewegte, mehr Zeit mit dem Spiel himmlischer Musik zu verbringen; mag sein, dass diese Musik, die die spirituellen Nachtwachen in seiner Kindheit und Jugend begleitet und ihm neue Wege in die spirituelle Welt eröffnet hatte, auf diese Weise seine Liebe für das Spiel noch weiter vertiefte. Später gelang es ihm, mit Hilfe der Musik in spirituelle Sphären vorzudringen, entsprechende Fähigkeiten zu erwerben und jenseitige Erfahrungen zu machen – bis er schließlich zur Auffassung gelang, dass die Musik ein geeignetes Werkzeug darstelle, um sich dem Geliebten zu nähern und ihn anzubeten. Er ging sogar soweit, zu behaupten, dass die Empfindungen, die durch spirituelle Musik ausgelöst werden, einem Funken der göttlichen Erkenntnis in der Essenz der menschlichen Seele gleichkommen.
Während dieser zwölf Jahre, die er in regelmäßigen Abständen den vierzigtägigen Askeseperioden widmete, begleitete er – vor allem in den kurzen Intervallen dazwischen – hie und da seinen Vater auf seinen Reisen. Für ein Kind mussten diese Reisen aufregende Abenteuer bedeutet haben. Sie führten die beiden unter anderem zu den umliegenden Dörfern, manche in direkter Nähe, andere weiter entfernt, und so konnte er sich mit diversen Tanburspielern der Region austauschen, was sein musikalisches Repertoire enorm bereichert hat. Hinzu kam, dass unter den Freunden von Hadj Nemat, die aus anderen Regionen oder auch aus Übersee zu Besuch kamen, Musiker waren, die dem jungen Nur Ali zahlreiche Melodien beibrachten.
Parallel zu seiner spirituellen und musikalischen Ausbildung erhielt er eine klassische Erziehung, wie sie zu dieser Zeit üblich war, wenngleich nicht ähnlich intensiv wie die spirituelle Schulung. Sein Vater war fest davon überzeugt, dass die Wege, durch die das Herrschsüchtige Selbst eindringen kann, geschlossen werden müssen, bevor selbiges in ihm erwacht. Danach könne man sich um seine formale Erziehung kümmern. Diese sporadischen materiellen Studien fanden teilweise durch Hauslehrer statt, teilweise durch den Besuch der örtlichen Schule. Aber die Person, die die bedeutendste Rolle in Ostad Elahis Erziehung und Ausbildung spielte, und der er während seines gesamten Lebens die größte Ehrerbietung erwies, war und blieb zweifelsohne sein Vater.
Hadj Nemat war eine wahre spirituelle Koryphäe, ein leidenschaftlicher Dichter und Musiker, ein liebevoller und sorgsamer Vater und ein erfahrener Mentor, der seinen Sohn dazu brachte, die gesamte Fülle seiner Gaben zu entwickeln, ohne jemals Druck auf ihn auszuüben. Es gab etwas zwischen ihnen, das weit über die übliche Vater-Sohn-Beziehung hinausging, eine unverbrüchliche innere Verbindung, die niemals nachlassen sollte.
„Er war nicht nur mein Vater und mein Führer, sondern wir waren durch ein besonderes spirituelles Band vereint.“ (Worte der Wahrheit)
Der junge Nur Ali war fast neun Jahre alt, als er sich seinem Vater und seiner Mutter in ihrer regelmäßigen Praxis des Fastens und der Kontemplation anschloss. Das erste Mal tat er dies in der nahegelegenen Stadt Sahneh, wo er sich zusammen mit seinen Eltern und fünf auserwählten Derwischen für eine vierzig Tage dauernde Klausur zurückzog. Dort, in den zwei kleinen Räumen eines Innenhofhauses, fand im Rahmen eines vierzigtägigen Fastens seine erste Erfahrung mit Askese und Klausur statt. Als er wieder nach Dscheyhunabad zurückgekehrt war, führte er diese Übung in einem Zeitraum von 11 aufeinanderfolgenden Jahren in der Abgeschiedenheit des so genannten ‚Hauses der Askese’ (Riyazatchaneh) wiederholt durch.
Das Haus der Askese war ein Teil des Wohnhauses von Hadj Nemat und bestand aus einigen wenigen Räumen und einem kleinen Innenhof. Dort verbrachte Ostad Elahi als Kind und Jugendlicher den größten Teil seiner Zeit. In Gegenwart seines Vaters, seiner Mutter und einigen auserwählten Derwischen widmete er sich in regelmäßigen Abständen von 10 bis 15 Tagen für jeweils 40 Tage der Askese und Klausur. Während der kurzen Unterbrechungen begleitete er seinen Vater bei Pilgerfahrten zu den Grabmälern der großen spirituellen Persönlichkeiten der Region, unternahm lange Ausritte oder traf sich mit Derwischen und anderen Personen aus der Umgebung zum gemeinsamen Gebet. Über diesen Zeitabschnitt berichtet er später:
„Welch glückliche Zeit! Welche Atmosphäre! Wir waren ständig ins Gebet und in heilige Gesänge vertieft und hatten keine Ahnung, was sich außerhalb von uns in der Welt ereignete.“ (Worte der Wahrheit)
Nachdem er zwei Jahre lang diese Art von Rückzug praktiziert hatte, vollzog sich im Alter von elf Jahren ein Wandel in seinem Leben – den kleinen ‚Kutschak Ali’ gab es von da an nicht mehr. Aufgrund eines außergewöhnlichen spirituellen Ereignisses am Grabmal von Soltan Eshaq (dem Gründer des Ahl-e Haqq Ordens) erfuhr er eine spirituelle Transformation, so dass er nicht mehr derselbe war – als ob der Körper eines Kindes den eines weisen Erwachsenen in sich geborgen hätte. Sogar sein Name wurde von Fathollah (Kutschak Ali) zu Nur Ali.
Der klassische Mystiker
Nach seiner spirituellen Verwandlung und der Vollendung seines zwölf Jahre dauernden Zyklus von Fastenperioden und Askese war Ostad Elahi im Alter von einundzwanzig Jahren ein großer Gelehrter und ein unvergleichlicher Musiker. Anders als gewöhnliche Menschen war er in der Zeit der asketischen Abgeschiedenheit nicht mit all dem in Berührung gekommen, was sich außerhalb der Mauern des Hauses abspielte. Ihm war einzig das Leben vertraut, das er im Garten Eden des väterlichen Heims erfahren durfte, in einer spirituellen Atmosphäre, in der materielle Reize keine Rolle spielten. Am Ende dieses Zeitabschnitts blieb er zunächst eine Zeitlang dort wohnen und führte seine mystische und spirituelle Lebensweise fort, ohne zu wissen, was in der Außenwelt vor sich ging. Gerade diese seine Unschuld und Unerfahrenheit machten ihm das Leben in Gesellschaft später so schwer:
„Mein Leben spielte sich zur Gänze innerhalb dieser vier wohlvertrauten Mauern ab, und an mein Ohr waren nur Worte der Wahrheit gelangt. Ich hatte keinerlei Berührung mit der Gesellschaft… und keine Ahnung, wie die Leute lebten oder was sie dachten. Ich konnte mir noch nicht einmal vorstellen, dass jemand lügen oder betrügen könnte. Ich nahm vielmehr an, dass die ganze Welt unserem Haus gleiche.“ (Worte der Wahrheit)
Obwohl es keine genauen Aufzeichnungen aus dieser Zeit gibt, legen die vorliegenden Arbeiten und verschiedene Berichte nahe, dass Ostad Elahi zunächst die traditionelle mystische Lebensweise seines Vaters beibehielt, bevor er einen Beruf im Staatsdienst ausübte: Er trug sein Haar lang, kleidete sich in das weiße Gewand der Derwische und blieb einer Tradition verpflichtet, der er seit dem Alter von sechs Jahren verbunden war. Zu dieser Zeit begab es sich auch, dass ein raffinierter Juwelier im Bazar von Teheran auf Ostad Elahis edle und charismatische Persönlichkeit aufmerksam wurde und ihn ganz ernst fragte, ob er ihn die Geheimnisse der Alchemie lehre!
„Das Foto, auf dem ich mit einem Turban und langen Haaren zu sehen bin , stammt aus der Zeit, als ich gerade 26 Jahre alt geworden war. Ich war versunken in ein engelhaftes Universum, in einem fortwährenden Zustand der Askese. Innerhalb von 24 Stunden nahm ich nichts zu mir außer einem schlichten Mahl bei Sonnenuntergang, zur Stunde des Fastenbrechens.“ (Worte der Wahrheit) „Wenn ich die Fotos meiner Jugend betrachte, erfüllt mich ein besonderes Gefühl. Ich erinnere mich gut an den geistigen Zustand, in dem ich mich befand. Die Welt und alles, was zu ihr gehört, bedeuteten mir absolut nichts.“ (Worte der Wahrheit)
In seinem Unterricht legte Hadj Nemat bevorzugt Wert auf die spirituelle Schulung seines Sohnes, so dass für seine reguläre Ausbildung wenig Zeit blieb. Dennoch zeigen Dokumente aus der Kindheit und Jugend Ostad Elahis, dass er über gute Fähigkeiten in Schönschrift verfügte und dass er in den Bereichen Literatur (insbesondere im Bereich der Poesie), Theologie, Philosophie und Religionsgeschichte bewandert war. Bevor sein Vater im Jahre 1920 verstarb, verbrachte der junge Nur Ali viel Zeit damit, die Arbeiten seines Vaters zu transkribieren. Er erzählt, dass Hadj Nemat gegen Ende seines Lebens das Buch der Könige der Wahrheit innerhalb von 40 Tagen laut vortrug und dass ihm die Aufgabe zukam, des Vaters Worte rasch niederzuschreiben. Es wird deutlich, wie tief sein Wissen über die fundamentalen Prinzipien der Spiritualität bereits zu dieser Zeit war. Sein Talent und seine Beharrlichkeit werden ihm später ermöglichen, das auf drei Jahre angelegte Studium der Rechtswissenschaften in nur sechs Monaten erfolgreich zu absolvieren, ungeachtet der Tatsache, dass ihm eine formale schulische Ausbildung fehlte.
Es war kurz vor seinem Tod, dass Hadj Nemat seinem Sohn gegenüber die Empfehlung aussprach, zu heiraten. Und so kam nur zwei Tage nach dem Weggang des Vaters Ostad Elahis erstes Kind zur Welt. Nach seines Vaters Tod übernahm er die Aufgabe, für seine Familie zu sorgen – also seine Mutter, seine zwei jüngeren Schwestern, seine Ehefrau und sein Kind – sowie sich um das Land zu kümmern, das er geerbt hatte. Daneben widmete er den Großteil seiner Zeit der Kontemplation, seinen spirituellen Erfahrungen, dem Schreiben, Forschen und von Zeit zu Zeit auch dem Fasten und der Askese. Er gab spirituellen Unterricht und sorgte sich um Suchende, die zu ihm kamen, um Führung von ihm zu erbitten. Er unternahm Pilgerreisen zu den Schreinen berühmter Ahl-e-Haqq-Persönlichkeiten, er ordnete die Schriften seines Vaters und verfasste Kommentare zu einigen seiner Manuskripte. Eines der kostbarsten Zeugnisse dieser Zeitperiode ist sein Bericht über die Erschaffung des Universums. In dieser Abhandlung, die Ostad Elahi zufolge in einer spirituellen Vision wurzelt, erklärt er im Rahmen einer Erzählung auf neuartige und detaillierte Weise, wie das Universum und die Menschheit erschaffen wurden.
Nur wenige Tage, nachdem Hadj Nemat verschieden war, betrachteten all seine Anhänger den Weggang ihres Meisters als das Ende der spirituellen Lichtperiode, für die er stand. Sie zerstreuten sich in alle Winde und so war der junge Nur Ali gänzlich sich selbst überlassen. Hadj Nemats Feinde nützten die Gelegenheit und entschieden, seinen Sohn auszulöschen, da sie ihn als ein Hindernis für ihre materiellen Interessen und ihre persönlichen Vorteile ansahen. Aber es dauerte nicht lange und das Blatt wendete sich: Ostad Elahis Glaube und seine spirituelle Verbindung bewirkten zum einen, dass seine aufrichtigen Anhänger sich erneut um ihn versammelten, zum anderen, dass seine Gegner – nachdem sie sich eingestehen mussten, dass sie ihr Ziel nicht erreicht hatten – zurückkehrten und, um den Schein zu wahren, ihr Bedauern über ihr Tun ausdrückten.
Von dieser Zeit an kamen seine Anhänger und Begleiter in den Genuss seines spirituellen Wissens und seiner Weisheit, genau wie zu der Zeit, als Hadj Nemat noch lebte. Wohin Ostad Elahi sich auch begab, sein Ruf eilte ihm voraus. Nicht nur, dass er der Sohn Hadj Nemats war – auch die ihm eigene spirituell-charismatische Ausstrahlung sprach für sich selbst. Aus diesem Grund fügten seine Anhänger, um ihrer Liebe und Ehrerbietung Ausdruck zu verleihen, seinem Namen den Ehrentitel ‚Schah’ (‚König’) hinzu. Manchmal nannten sie ihn ‚Nur Ali Schah’, wenngleich die Anrede, unter der er allgemein bekannt war, ‚Hadj Nur Ali’ hieß.
Obwohl es zunächst so aussah, als würde der junge Nur Ali in die Fußstapfen seines Vaters treten, war dem mitnichten so. Wie schon sein Vater vor ihm genoss er den Respekt und die Verehrung seiner Umgebung, und es wären ihm aufgrund des Eigentums an den Ländereien seines Vaters alle materiellen Möglichkeiten offen gestanden. Den lokalen Bräuchen und gesellschaftlichen Regeln gemäß hätte er auch ohne weiteres, wie viele spirituelle Führer dies taten, von den Zuwendungen seiner Schüler leben können (was im Übrigen den damaligen gesellschaftlichen Vorstellungen nicht widersprochen hätte), und ein asketisches, aber dennoch komfortables Leben haben können. Er aber entschied sich dagegen. Auch wenn er sein Leben so führte, wie es zu dieser Zeit der Tradition und den Bräuchen entsprach, ließ er es (genau wie sein Vater) nicht zu, dass seine Anhänger ihn in irgendeiner Weise unterstützten, genauso wenig wie er es erlaubte, dass sich materielle Interessen mit spirituellen Angelegenheiten mischten. Diese einfachen und augenscheinlich geringfügigen Änderungen in seiner Denk- und Lebensweise führten ihn in Hinblick auf seine spirituelle Sichtweise und seinen Forschungsansatz an einen Punkt, an dem er die althergebrachten Bräuche der Vergangenheit hinter sich ließ und eine neue Methode entwickelte, die im Widerspruch zur bisherigen Tradition stand. Aufgrund dieser mutigen Wandlung wählte er einen für ihn völlig neuen Lebensstil, wie ihn ganz gewöhnliche Leute führen, ohne die äußeren Insignien einer mystischen Lebensweise. Aufgrund dieses erstaunlichen Wandels nahm er fortan am gesellschaftlichen Leben teil, als ob nichts ihn unterschiede von anderen Menschen. Das weiße Gewand der Derwische und das lange Haar, der Bart des Mystikers, sie alle wurden ersetzt durch das Erscheinungsbild eines geschätzten Mitglieds der Gesellschaft. Mit diesem Wandel in seinem äußeren Auftreten lebte Nur Ali ein normales Leben, als hätten Askese und Mystik nie zuvor eine Rolle gespielt. Erst viel später sollte enthüllt werden, was der wahre Grund für diesen Schritt in die Gesellschaft war.
Viele Jahre später, als er seine Philosophie zur spirituellen Vervollkommnung und zur natürlichen Spiritualität vorstellen wird, wird deutlich werden, dass dieser fundamentale Wandel im Leben und Denken, der mehr als ein Wunder anmutet denn eine Änderung der Lebensgewohnheiten, von niemandem verwirklicht hätte werden können außer von jemandem seines Schlags. Einige seiner Anhänger und Vertrauten kritisierten ihn hart, weil er nicht dem Weg seines Vaters gefolgt war und weil er sich äußerlich an die Gesellschaft anpasste. Es gab sogar einige, die sich aus diesem Grund von ihm abwandten. Ostad Elahi aber hielt unbeirrt an seinem Ziel fest. Weil er über eine Wissensbasis verfügte, die in der einzigen und alleinigen Quelle von Erkenntnis und Existenz verwurzelt ist, gelang es ihm, eine neuartige Form der Spiritualität zu konzipieren, die allen Unterstützung bietet, die auf der Suche nach der Wahrheit sind.
Seine wahren Freunde und Anhänger folgten seinem Beispiel und passten ihre spirituelle Methode an die seinige an, wobei zu bemerken ist, dass seine Methode in der Geschichte des Mystizismus mit all seinen Höhen und Tiefen bis dato einzigartig und einmalig war. Tatsächlich ist es so, dass im Laufe der Geschichtsschreibung die tugendhaften und frommen Mystiker stets dem Weg ihrer Vorgänger gefolgt sind. Kein ergebener Mystiker ist jemals einen anderen Weg gegangen als den seines Meisters. Indem Ostad Elahi einen Weg aufzeichnete, der im Grunde eine Abkürzung in diesem Bereich bot, öffnete er ein neues Kapitel in der Erkenntnisgeschichte des Menschen. Er zeichnet die Grundzüge einer einzigartigen Spiritualität auf, die den Wahrheitssuchern eine neue Methodik anbietet, um Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis zu erlangen.
Ostad Elahi war es somit gelungen, die verschiedenen sozialen, ethnischen und traditionellen Beschränkungen seiner Zeit zu überwinden, was verdeutlicht, dass er ein vollendeter Denker war, frei von Vorurteilen und unabhängig von der Meinung anderer. Aufgrund seiner umfangreichen Kenntnisse befreite er sich willentlich von den jahrhundertealten einengenden Gewohnheiten des traditionellen Mystizismus. Indem er das tat, löste er die Spiritualität aus ihrem gewohnten Kontext (demzufolge sie nur einem beschränkten Kreis an Mystikern zugänglich war), und ihrer entsprechenden althergebrachten Klischees heraus, und stellte sie allen Menschen zur Verfügung – ein revolutionäres Unterfangen, das in der Wissenschaft der Spiritualität einem Paradigmenwechsel gleicht.
Der Entsagung entsagen
In Einklang mit den weitreichenden Änderungen in seinem Denken und Lebensstil verließ Ostad Elahi seine gewohnten Bahnen, verließ den wunderschönen Garten seines Vaters und wählte ein Leben inmitten der Gesellschaft, um die Grundlagen für sein späteres Gedankengut zu legen. Er trat in den Staatsdienst ein und arbeitete für knapp 30 Jahre im Justizministerium, wo er schließlich den höchstmöglichen Rang im Rechtswesen erreichte. Als er beschlossen hatte, einen Regierungsposten anzunehmen, schnitt er sein langes Haar ab, Symbol für das Leben als Derwisch, und tauschte sein weißes Gewand gegen einen Anzug und eine Krawatte ein, wie sie damals von Respektspersonen getragen wurden.
Dieser Schritt war von tiefgreifender symbolischer und emotionaler Tragweite. Berücksichtigt man die sozialen Bedingungen im Iran zu dieser Zeit, da einflussreiche Persönlichkeiten wie Ostad Elahi den neuen Machthabern äußerst verdächtig erschienen, hätte sich sein Verhalten schlichtweg dahingehend interpretieren lassen, dass er sich dem öffentlichen Druck beuge. Dies war aber in Wirklichkeit nicht der Fall. Vielmehr war dieser Entschluss das zwingende Ergebnis eines langandauernden Prozesses, in dessen Verlauf tiefgreifende Überlegungen und spirituelle Eingebungen wachsen und gedeihen mussten, bis die Zeit für diesen Schritt reif war.
Ostad Elahis Leben zeigt, dass er, sowie er sich in Gesellschaft begab, nicht eine Sekunde lang seinen Blick von der Anderen Welt abgewandt hatte (so wie er es auch in seiner Einsiedelei gehalten hatte). Genausowenig ließ er sich innerlich von den Werten seines Umfelds beeinflussen. Wie schon zuvor verpflichtete er sich selbst dazu, die spirituellen und moralischen Prinzipien sowie die sozialen Normen und die weltlichen Gesetze akkurat und gewissenhaft einzuhalten. Die göttliche Zufriedenheit stellte er über alles, Konventionen waren ihm gleichgültig, und er richtete seine Handlungsweise allein danach aus, inwiefern sie ihm das Wohlgefallen seines Geliebten bescheren würde. Mithilfe dieser ungewöhnlichen inneren Kraft war es ihm möglich, die Prüfungen und Widrigkeiten des täglichen Lebens unbeschadet zu überstehen und furchtlos zu bleiben angesichts von Unannehmlichkeiten, Widerständen und Drohungen, denen er ausgesetzt war. Diese Ärgernisse waren unter anderem bedingt durch seine richterlichen Urteile, die den Wünschen der einflussreichen ortsansässigen Personen zuwiderliefen und zuweilen damit endeten, dass er vorzeitig auf andere Posten versetzt wurde.
Die Entwicklung seines Gedankenguts während dieser Jahre verdeutlicht, dass Ostad Elahi sich in Hinblick auf die Erziehung und Entwicklung der Seele nicht mit einer Spiritualität zufrieden geben konnte, die einer ausgewählten Gruppe an Leuten fernab der Gesellschaft vorbehalten war. Es lässt sich eine Reihe von Gründen dafür anführen, dass er zu der Mission bemächtigt war, auf Basis der wahren Spiritualität eine neuartige Methode zu entwickeln, die keine Unterschiede machte in puncto Geschlecht, Herkunft oder Hautfarbe: Es waren dies seine Entdeckungen in der spirituellen Welt, als Frucht jahrelanger Askese und Kontemplation; seine Forschungstätigkeit, als Suche nach der vollkommenen Erkenntnis von Gott und dem gesamten Universum; schließlich sein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Wesen. Seine Methode, wie er sie entwarf, bezieht sich auf eine Spiritualität, die für jeden zugänglich sein sollte, unabhängig von der Kultur oder dem Hintergrund des Einzelnen, eine Spiritualität, die jeder Erprobung unabhängig von der jeweiligen Epoche standhalten sollte, eine Spiritualität, die einzig und allein auf die reine Wahrheit ausgerichtet sein sollte, fernab jedweder religiöser oder ritueller Überlegungen.
Schon sein Vater hatte ihn in den Zeiten der Klausur, die er als Kind und Jugendlicher verbracht hatte, für die Suche nach der Wahrheit empfänglich gemacht. In den Jahren nach Hadj Nemats Weggang, in denen Ostad Elahi dieser Tradition der Kontemplation und der Reflexion treugeblieben war, kristallisierte sich diese spirituelle Suche weiter heraus, indem er sich anspruchsvollsten Experimenten unterzog, zahlreiche schwierige Situationen durchstand und viele Höhen und Tiefen durchlebte. Dadurch war es ihm möglich, eine Methode zu finden, die er interessierten Suchern zur Verfügung stellte. Dieser innovative Ansatz ist einfach und schwierig zugleich: Einfach insofern, als der Suchende in Gesellschaft leben kann; schwierig insofern, als er sich nicht zu sehr von ihr beeinflussen lassen darf. Nachdem Ostad Elahi am eigenen Leib diese Hindernisse eines nach dem anderen umschiffen konnte, war er in der Lage, in seinen Werken eine ‚Roadmap’ aufzuzeichnen, versehen mit allen Biegungen und Steigungen, die diese Reise mit sich bringt.
Als er seine Stelle als Regierungsbeamter antrat, hatte er seinen spirituellen Rang und Ruf so geheim gehalten, dass niemand – außer einigen seiner engen Bewunderer, die ihm von Herzen zugeneigt waren und ihn bedingungslos respektierten – annahm, dass er anders war als die Anderen, abgesehen natürlich von der Tatsache, dass er unbeirrt an seinen ethischen und humanitären Überzeugungen festhielt. Die meisten kannten ihn als ehrlichen und rechtschaffenen Richter, als liebevollen und ehrbaren Familienvater, als erfahrenen Musiker, als würdevollen Menschen oder aufrichtigen und innigen Freund. In Wirklichkeit verhüllte er seine spirituelle Dimension umso mehr, je mehr er sein inneres Wesen in Richtung der Vollkommenheit entfaltete, und so gab es zu seinen Lebzeiten nur einige unter seinen ihm nahe stehenden Schülern, die ihn ihm die volle Wirklichkeit seiner spirituellen Dimension erkennen konnten.
Ostad Elahi war ein echter Menschenfreund, der die gesamte Schöpfung als eine zusammenhängende Einheit betrachtete, der auf der Grundlage von Wohlwollen und Gerechtigkeit Existenz verliehen wurde. Ostad Elahis Denken führte aufgrund der Konfrontation mit den materiellen und spirituellen Erscheinungen der Welt zu einer Philosophie mit universaler Ausrichtung, die unabhängig ist von bestimmten Glaubensüberzeugungen sowie von Faktoren wie Kultur, Abstammung oder Nationalität. Die Methoden, auf die diese Philosophie baut, sind zudem einfach und praktisch, so dass sie an das normale Leben der Menschen in aller Welt angepasst ist.
Auch wenn sein Beruf ihn zwang, diverse Posten in unzugänglichen und entlegenen Regionen anzunehmen, setzte Ostad Elahi seine Studien in den Bereichen Theologie, Philosophie und Mystizismus fort. Stets versuchte er, sein Denken religiösen, moralischen, wissenschaftlichen und kulturellen Kriterien gegenüberzustellen. Das erlaubte ihm, seine Philosophie und seine Lehre mit der spirituellen Essenz und dem Kern aller Religionen in Einklang zu bringen. Diese Forschungsarbeit durchzuführen, war letztlich überall möglich: So nahm er beispielsweise von 1952 bis 1956, als er am Gericht in Teheran arbeitete, regelmäßig an Zusammenkünften und Debatten der Theologieschule (Marwi Madrase) teil.
Die Vollendung
Im Jahre 1957, nach fast 27 Jahren Staatsdienst und richterlicher Tätigkeit, entschloss sich Ostad Elahi, in den Ruhestand zu gehen und sich in Teheran anzusiedeln. Dadurch wurde es einem kleinen Kreis an Personen möglich, ihn näher kennenzulernen. Von da an widmete er sein Leben vollständig dem Schreiben, Lehren und Musizieren. Aus dieser Periode stammen zwei wissenschaftliche Abhandlungen: Beweis der Wahrheit (Borhan ol-Haqq, 1963) und Erkenntnis der Seele (Marefat ol-Ruh, 1969), sowie ein Postskriptum zu Begriffen und Definitionen im epischen Werk seines Vaters, dem Buch der Könige der Wahrheit (Haschieh bar Haqq-ol Haqayeq, 1967). Das Mehr an Zeit, über das er seit dem Ruhestand verfügte, erlaubte ihm, informelle Zusammenkünfte mit Familienmitgliedern und Freunden abzuhalten, in denen er über Themen sprach und Fragen beantwortete, die die Ethik betrafen. Auch zu dieser Zeit traf er sich hin und wieder mit Gelehrten und Orientalisten, die ihn unbedingt sehen wollten, weil sie sich mit den Wahrheiten des Orients beschäftigten und er ihre Fragen in einer einfachen, nicht-metaphorischen Sprache beantwortete. Die Notizen, die von einigen der Anwesenden bei diesen Versammlungen gemacht wurden, bildeten später die Basis für die Worte der Wahrheit (Asar ol-Haqq), zwei Bände, die diese Diskussionen unter Freunden zusammenfassen.
Es gab zu dieser Zeit einige Menschen, die von seiner Musik zutiefst berührt waren. Nicht nur verbreitete sich sehr schnell, welch einzigartigen Fähigkeiten Ostad Elahi aufwies, auch die belebenden spirituellen Wirkungen seiner Musik wurden durch Mundpropaganda weitergegeben. So ergab es sich, dass sein Ruf als spiritueller Meister und unvergleichlicher Musiker sich allmählich auch über die Landesgrenzen hinaus ausbreitete – obwohl er selbst dies nie angestrebt hatte – und spirituelle Sucher sowie Musikwissenschaftler anzog, die auf der Suche nach der Wahrheit waren und ihn besuchen kamen. Ihre Bewunderung und der damit verbundene Ruhm sollten jedoch seine innere Gelassenheit und seinen Frieden nicht beeinflussen. Trotz der Lobeshymnen bekannter Musiker scheute er aufgrund seiner Bescheidenheit jede Art von Heuchelei und Ehrerbietung – er hat nie in der Öffentlichkeit gespielt oder Vorträge über sein Gedankengut gehalten. Er führte nur diejenigen, die aufrichtige Wahrheitssucher waren. Bis zu dem Zeitpunkt, da er diese Welt verließ, war er mit seiner spirituellen Arbeit beschäftigt sowie der Verwirklichung seiner inneren Alchemie – bis er sich schließlich mit dem unendlichen Ozean des Göttlichen vereinen konnte.
„Es gibt nichts in dieser Welt, woran mein Herz hängt, und ich bin bereit, Gottes Ruf zu folgen.“ (Worte der Wahrheit)
Das außergewöhnliche Leben einer Person, der es von Kindesbeinen an (d.h. vom Alter von fünf Jahren an) bestimmt war, eine reine Spiritualität zu verinnerlichen, endete im Alter von 79 Jahren, am 19. Oktober 1974. Sein wirkliches Leben setzte er in einer Dimension fort, von deren Existenz er felsenfest überzeugt war. Ostad Elahi verschied in seinem Haus in Teheran. Wie er es zu seinen Lebzeiten bereits angedeutet hatte, wurde sein Körper in Haschtgerd zur Ruhe gelegt und an dieser Stelle ein einfaches Grabmal errichtet.
Acht Jahre später, das war 1982, in den gesetzlosen und aufrührerischen frühen Jahren der islamischen Revolution im Iran, machten sich seine Gegner, die kurz zuvor einen Grund gefunden hatten, mit der Unterstützung von gewissenlosen Kräften ihre Feindseligkeit auf ihn zu richten, daran, das Grab von Ostad Elahi zu zerstören und den Leichnam zu entweihen. Alles, was sie fanden, war ein leerer Holzsarg und das Totenhemd, in das man den Körper gehüllt hatte – übereinstimmend mit einer Äußerung von Ostad Elahi, dass die Körper der wahren engelhaften Heiligen nicht auf der Erde verbleiben. Dieses erstaunliche Phänomen, das zu den Wundern hochstehender spiritueller Persönlichkeiten gehört, erstaunte seine Studenten weniger denn Außenstehende. Die ihn kannten, waren vertraut mit seinem Gedankengut und den unendlichen Sphären seiner Spiritualität, und so galt ihnen dieses Ereignis lediglich als Beweis für eine seiner spirituellen Behauptungen. Nachdem die offizielle Erlaubnis eingeholt worden war, errichtete man zwei Jahre später an derselben Stelle ein neues Gebäude. Heutzutage wird das Mausoleum von Ostad Elahi von all jenen aufgesucht, die eine spirituelle Atmosphäre suchen, um in einen inneren Dialog mit dem Geliebten zu treten. |