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Haupttext Anekdoten

Worte der Wahrheit, Bd. 1, Zitat 1897

Als ich 25 Jahre alt war – das war während meines ersten Jahres in Teheran –, wohnte ich im Sanguelaj-Viertel, das damals noch nicht zerstört war. Von Zeit zu Zeit durchquerte ich den Bazar. Es traf sich, dass ein Juwelier auf mich aufmerksam wurde. Er fand, dass ich anders war als andere und eine gewisse Gelassenheit ausstrahlte. Es führte ihn zum Schluss, dass ich über das Wissen der Alchimie verfügte. Eines Tages begrüßte er mich herzlich, lud mich in sein Geschäft ein und behandelte mich freundlich und zuvorkommend. Als ich ein Glas Wasser ablehnte, das er anbot, wuchs sein Interesse, da er verstand, dass ich fastete.

Einige Tage später lud er mich aufs Neue in sein Geschäft ein. Diesmal fragte er mich: „Mein Herr, würden Sie so freundlich sein, mich an Ihrer Wissenschaft teilhaben zu lassen?“ Damit spielte er auf die Wissenschaft der Alchimie an, denn er fuhr fort: „Ihre gelassene Ausstrahlung und Ihr edles Auftreten haben mich darauf schließen lassen, dass Sie den Stein der Weisen besitzen.“ Er ließ nicht locker. Er dachte wirklich, dass ich das Geheimnis der Alchimie in meiner Tasche hätte und bereit wäre, es ihm einfach so zu geben.

Da er in seinem Bitten fortfuhr, sagte ich eines Tages zu ihm:

„Ich werde dir gerne das Geheimnis der Alchimie enthüllen, aber nur unter einer Bedingung.“

Freudig antwortete er:

„Was es auch sein mag, ich akzeptiere es mit ganzem Herzen.“

Ich sagte ihm:

„Hier ist meine Bedingung: Was auch immer dein Herrschsüchtiges Selbst begehrt, darfst du nicht wollen.“ Ich fügte noch hinzu: „Ich werde dich demnächst auf die Probe stellen, um zu sehen, ob du die Bedingung erfüllst. Wenn das der Fall ist, dann werde ich dich in die Alchimie einweihen.“

Nach kurzem Schweigen sagte er: „Aber wenn mein Herrschsüchtiges Selbst nichts begehrt, wozu ist dann die Alchimie gut?“

„Jedes Mal, wenn du dein Herrschsüchtiges Selbst meisterst“, sagte ich zu ihm, „dann erwirbst du die Alchimie der Glückseligkeit.“

Dann machte ich ihm deutlich, dass das, was man für gewöhnlich über die Alchimie sage, eine Täuschung sei. „Der Schlüssel zur wahren Alchimie liegt allein in den Händen des Herrn, und er gibt sie nur dem, der sie nicht missbraucht.“

Wenn es dem Menschen gelingt, seine Natur zu meistern, und wenn er Gott wahrlich liebt, möchte er nichts anderes als Seine Zufriedenheit – dann wird er alles haben, was er sich wünscht. Denn wenn etwas gut für uns ist, wird Gott es uns niemals verwehren.

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