Das Gedankengut von Ostad Elahi, das verschiedene Einflüsse aus der griechischen und persischen Philosophie aufnimmt, stellt die Quelle und die Eschatologie aller Geschöpfe, vor allem die des Menschen, ins Zentrum der Betrachtung. Als solches gehören seine Erörterungen in Bezug auf Themen wie Spiritualität, Ethik sowie Rechte und Pflichten zu den tragenden Säulen seines Denkens.
Graeco-persische Philosophie
Diese Denkschule umfasst ein breites Spektrum, das von der graeco-islamischen Philosophie über kurdische Doktrinen bis hin zur vorislamischen persischen Philosophie reicht. Im Laufe der Jahrtausende und infolge zahlreicher Invasionen standen die persische Kultur und Mystik unter dem Einfluss einer Vielfalt unterschiedlicher religiöser und philosophischer Traditionen.
Die persischen Philosophen, zu denen auch Ostad Elahi richtigerweise gezählt werden muss, bilden zum einen den Kreis der bedeutenden persischen Moralphilosophen (Ibn Meskawayh, Tusi, Dawani), zum anderen gehören dazu die Neuplatoniker sowie die aristotelischen Philosophen (Sohrewardi, Farabi). Einer der wichtigsten Vertreter der persischen Philosophie, in dem all diese Richtungen zusammenfließen und der die persischen Philosophen bis ins 20. Jahrhundert hinein beeinflusst hat (inklusive Ostad Elahi selbst), ist Mulla Sadra, der als ‚Plato seiner Zeit’ galt. Ostad Elahi, der als Erbe der philosophischen Terminologie und Metaphysik von Mullah Sadra gesehen werden kann, passte einige Elemente der kurdischen Glaubenslehre an dessen Philosophie an. Ostad Elahi war jedoch zugleich Moralphilosoph, und sein Denken daher eng mit der aristotelischen Tradition der Vervollkommnung von Tugenden verknüpft. Im selben Maß war er der antiken Vorstellung von der ‚Medizin der Seele’ verbunden, die durch die Griechen (Galenos) an die Araber weitergegeben worden war und in der islamischen Welt dank Avicenna wieder auflebte.
Persische Mystik
Ostad Elahi gilt ebenso als Erbe der kurdisch-persischen mystischen Tradition, die zweierlei Kulturen in sich vereint: eine spezifische mystische kurdische Kultur (Kultur der Ahl-e Haqq), und eine wissenschaftliche und übergreifende mystische Kultur, die durch so herausragende Persönlichkeiten wie Halladj und so großartige Dichter wie Hafez, Attar und Rumi repräsentiert wird. Im Iran lehnt sich der Mystizismus, der von der Philosophie (vor allem der der Neuplatoniker) und des graeco-islamischen Moralismus beeinflusst wurde, an die schiitische Konfession an. Diese Art von Mystizismus richtet die Aufmerksamkeit mehr auf den inneren, transzendenten und universalen Bestandteil der Religion als auf ihre dogmatischen und rituellen Aspekte. In diesem Zusammenhang ist die Mystik die Wiederspiegelung dessen, was Henry Corbin als „Theosophie“ bezeichnet hat.
Das Gedankengut von Ostad Elahi, das alle diese verschiedenen Elemente einbezieht, zeichnet sich gleichermaßen durch Komplexität und Subtilität aus. Als ein moderner Denker und Erbe der mittelalterlichen und antiken Traditionen kombiniert Ostad Elahi Elemente der Moderne mit Neuinterpretationen der philosophischen Traditionen. Seine Philosophie der ‚Rechte’ und der Metaphysik, in der er auf bestimmte Begrifflichkeiten und ein spezifisches Vokabular zurückgreift, sind Ausfluss einer Herangehensweise, die die Prinzipien eines modernen Denkens mit der Essenz der Theosophie verknüpft. |