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Ostad Elahi beschränkte sich nicht darauf, sein Gedankengut allein in seinen Büchern darzustellen. Im Grund stellt sein ganzes Leben – wenn man es aufmerksam studiert – eine Lehre dar. Seine ethischen Verhaltensrichtlinien prägten auf natürliche Weise sein gesamtes soziales Leben. In Worte der Wahrheit finden sich diesbezüglich viele Beispiele, die zum einen seine Aufgeschlossenheit anderen Menschen gegenüber bezeugen, zum anderen die Wirkung deutlich machen, die sein Verhalten, seine Empfehlungen und Ratschläge auf Freunde und nahe stehende Personen hatten sowie auf all jene, mit denen er im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit bzw. seiner Reisen zu tun hatte.
Nachdem er sich zur Ruhe gesetzt und endgültig in Teheran niedergelassen hatte, begann Ostad Elahi, in seinem Haus Menschen zu empfangen, die ihn gerne sehen wollten. Sie statteten ihm informelle Besuche ab und sammelten sich um ihn, um mit ihm zu diskutieren und ihn um Rat zu fragen. Viele dieser Menschen betrachteten Ostad als einen Heiligen und kamen daher, um ihm Fragen zu stellen, für sich selbst oder Angehörige, oder um Segen zu bitten. Andere sahen in ihm einen weisen, erfahrenen und vertrauenswürdigen Menschen, der ihnen half, Lösungen für ihre Probleme zu finden. Andere wiederum kamen, um seine Musik zu hören, oder um Ausführungen zu Themen des Sufismus oder der Mystik zu hören, über die er fundierte Kenntnisse besaß.
Nach und nach kristallisierte sich – neben dem Kreis an Personen, der von seinen zahlreichen Sympathisanten gebildet wurde – ein Kern wahrer Studenten heraus. Die formlosen Treffen verwandelten sich bald in regelmäßige Versammlungen, die alle zwei Wochen jeden Montagabend bei ihm stattfanden. Ostad Elahi, der sich nie aktiv um Schüler bemüht hatte, war selbst am meisten erstaunt über die Richtung, in die sich sein Unterricht entwickelt hatte. Die Menschen kamen aus verschiedenen Städten Irans, einige sogar aus dem Westen, um Führung zu finden oder Antworten auf ihre Probleme. Er empfing seine Besucher mehr wie Freunde oder Familienmitglieder, und viele von ihnen erinnern sich gerne an die warme und intime Atmosphäre, die diese Versammlungen auszeichnete.
Ostad, der mit einer einzigartigen Gabe im Bereich der mündlichen Kommunikation gesegnet war, wusste sich jederzeit an die Kultur, die Überzeugungen oder religiösen Wurzeln seiner Gesprächspartner anzupassen. Manchmal bediente er sich der Methoden, wie sie in der Philosophie oder bei der Auslegung von Schriften angewandt werden, manchmal lieferte er Interpretationen der Geschichten und Parabeln der Heiligen Schriften, und an anderer Stelle nahm er Bezug zu Alltagsbegebenheiten oder persönlichen Erfahrungen. Trotz seiner Gelehrtheit gelang es ihm ohne weiteres, sich nach dem Verständnisniveau seiner Zuhörer zu richten, und sich dabei einfacher Worte zu bedienen, mit denen er hochkomplexe spirituelle Fragen anging und sie dabei so vertraut erscheinen lassen konnte, als handelte es sich um harmlose Begebenheiten des täglichen Lebens. Im Übrigen legte er viel Wert auf die Tatsache, dass seine Lehre vor allem eine praktische und nicht nur eine rein theoretische Unterweisung darstellte: „Dieser Weg ist kein Weg der Worte, es ist ein Weg der Praxis – nur durch Praxis kommt man voran.“
Unter seinen Schülern war seine Schwester Malek Jan (1906-1993) nicht nur die erste, die von seiner Führung profitierte, sondern auch die am weitesten fortgeschrittene. Es ist der Vermittlung dieser außergewöhnlichen Frau zu verdanken, dass der Unterricht auch nach Ostad Elahis Tod weitergeführt werden konnte. Heute wird das Gedankengut Ostad Elahis in Seminaren gelehrt bzw. in weiterführenden Publikationen vertieft.
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