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(1) [Der folgende Text ist ein Ausschnitt aus einem Interview mit Maurice Béjart, das im Magazin ‚Danser’ im April 1983 veröffentlicht wurde]:
[Nachdem Maurice Béjart für das Ballett ‚Golestan’ mit einer Gruppe iranischer Musiker gearbeitet hatte, wurde er Ostad Elahi vorgestellt.]
„Ich befand mich in Gegenwart einer Person, die meiner Meinung nach der größte Musiker war, den ich in meinem Leben getroffen habe. […] Musik war seine Sprache und durch die Musik hat er mich unterrichtet. Auch sagte er mir dasselbe, was schon mein Vater gesagt hatte: Dass alle Religionen gleich sind und dass wir einer dieser Religionen folgen sollten, und dass sie ein Weg für uns sein kann, solange wir uns bewusst sind, dass kein Weg besser ist als der andere. So entschloss ich mich, seinen Weg einzuschlagen: Das Gedankengut dieses Menschen hat mich stets geführt und führt mich immer noch. Demzufolge handelte es sich bei diesem Treffen um eine persönliche und eine musikalische Begegnung. Da dieser Meister kein Französisch sprach, unterhielten wir uns in der Sprache der Musik.“
(2) [Der folgende Text ist ein weiterer Ausschnitt aus einem Interview mit Maurice Béjart, das er 1995 anlässlich der Feierlichkeiten zu Ostad Elahis 100. Geburtstag gegeben hat]
In Bezug auf Ostad Elahi sagten Sie, dass die Musik, nicht Worte Ihnen geholfen hätten, zu verstehen. Könnten Sie uns bitte sagen, was es ist, das Sie verstanden haben?
M.B.- Nein, denn das ist mit Worten nicht zu erklären. Er sprach kein Französisch und ich kein Persisch. Er spielte Musik, aber ich kann nicht in Worten ausdrücken, was ich fühlte und erlebte. Es bewirkte eine große Veränderung in meinem Leben, meiner Existenz und meinem Denken.
Sie haben ihn persönlich kennengelernt. Könnten Sie etwas dazu sagen, wie er war, über seine Persönlichkeit, seine Gegenwart…?
M.B.- Ehrlich gesagt weiß ich nicht recht, was ich Ihnen erzählen soll. Was ich sagen kann und was ich bereits in einem meiner Bücher geschrieben habe, ist, was er mir sagte: „Wenn Sie mich brauchen, werden wir immer in Verbindung sein. Fragen Sie mich zu irgendeinem Thema und ich werde Ihnen antworten.“ Einige Jahre später wurde ich gebeten, für das ‚Florentine Musical Mef’ ein Ballett über die ‚Triumphe von Petrarca’ zu leiten. Aber ich mochte das Wort ‚Triumph’ nicht, zudem kannte ich Petrarcas Werk nicht besonders gut und war, ehrlich gesagt, auch nicht besonders motiviert, das Projekt zu übernehmen. Man erwartete noch in derselben Nacht eine Antwort von mir. Ich ging also in die Luxemburg-Gärten und setzte mich. Dort stellte ich meinem Meister innerlich die folgende Frage: „Soll ich dieses Ballett über die ‚Triumphe von Petrarca’ wirklich in Angriff nehmen? Ich selbst sehe mich gar nicht darin. Was soll ich also tun?” Dann blieb ich einfach sitzen. Plötzlich kam ein Freund vorbei, den ich lange nicht gesehen hatte, und schlug vor, dass wir gemeinsam in das Gustave-Moreau-Museum gehen. Ich mag dieses Museum sehr. Ich hatte sogar eine Dokumentation über Gustave Moreau für das Fernsehen produziert und kannte den Kurator des Museums sehr gut. So antwortete ich spontan: „Klar, lass uns gehen!“ Kurz darauf kamen wir am Museum an. Der Kurator sagte: „Es ist lange her, dass ich Sie gesehen habe. Ich habe eine Überraschung für Sie: Es gibt ein Gemälde, das gerade restauriert wurde und für geraume Zeit nicht gezeigt worden war. Es ist gerade ins Museum zurückgekommen. Sie müssen sich das ansehen, kommen Sie mit…“ So gingen wir hinauf in den ersten Stock, wo er zu mir sagte: „Schauen Sie, es sind die ‚Triumphe von Petrarca’!“
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