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Einführung Worte der Wahrheit Zeugenberichtes

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Das erste Mal habe ich Ostad Elahi im Herbst 1963 getroffen (ich bin Französin und lebte zu dieser Zeit bereits seit fünf Jahren in Teheran). Sein Schüler im eigentlichen Sinne wurde ich jedoch erst im Lauf des Frühjahrs 1964. Die Versammlungen fanden zunächst nicht zu festen Zeiten oder in regelmäßigen Abständen statt, und es waren nur wenige Leute, die daran teilnahmen. Erst nach und nach entwickelten sich diese informellen Zusammenkünfte, die zunächst ein Mal, dann zwei Mal pro Woche stattfanden, zu regelmäßigen, institutionalisierten Treffen. Diese Treffen unterschieden sich weitgehend von den üblichen religiösen Feierlichkeiten, bei denen eine große Anzahl an Menschen sich versammelt und überlieferte Rituale praktiziert. Für einige von uns wurde es dann zur Gewohnheit, Ostad praktisch jeden Abend zu besuchen. Ostad pflegte sein Abendessen mit seiner Familie und einigen seiner Schüler einzunehmen; im Laufe des Abends wurden alle möglichen Dinge diskutiert. Im Folgenden möchte ich gerne über diese informellen Zusammenkünfte sprechen, da sie es uns ermöglichten, mit dem Gedankengut von Ostad Elahi vertraut zu werden.

Zu Beginn schien alles ganz einfach. Sein Ansatz war global: es genüge, unseren Ursprung – der himmlisch ist, wie er erklärte – zu finden, und unsere Bestimmung zu erkennen: die Rückkehr zur Quelle. Unser irdisches Schicksal war offenbar eng mit diesen beiden Geheimnissen verknüpft, die er uns zu verstehen half. Die Methode, die er dabei anwandte, könnte man als sokratisch bezeichnen: Er sagte uns, dass alles in uns sei, dass es genüge, unser Inneres zu erkunden, und sich des Wissens bewusst zu werden, das unsere Seele sich im Laufe der Zeit angeeignet habe. Denn wir seien nicht im aktuellen Jahrhundert geboren, sondern es sei bald eine Ewigkeit, dass wir uns zwischen Himmel und Erde hin- und herbewegten. Das Leitmotiv dieser Zeit war es, die Konzentration und Aufmerksamkeit auf die Quelle zu richten. Er hat uns auch mit den Einzelheiten der Rechte der anderen vertraut gemacht, sowie mit den verhängnisvollen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, wenn wir gegen diese Rechte verstoßen… Bis dahin hielt ich mich für ein verantwortungsvolles Wesen, doch in Wahrheit hatte ich niemals wirklich gelernt, die Tragweite meiner Taten abzuschätzen. Ich war voller Begeisterung angesichts dieser Entdeckungen und der lückenlosen Schlüssigkeit des göttlichen Systems, das er uns allabendlich Stück um Stück enthüllte; zugleich war ich äußerst beunruhigt über das gewaltige Räderwerk von Bewusstsein und Erkenntnis, das Ostad Elahi in mir in Gang gesetzt hatte – was, wenn ich es nicht schaffen würde? Es versetzte mich in Angst, dass ich der Spiritualität ‚in die Falle gegangen’ war, denn es war mir unmöglich, so ruhig zu leben wie vorher, im Zustand des Unbewussten. Und just an diesem Abend kam Ostad auf die Verlockungen der Unwissenheit zu sprechen (wie ruhig man doch ist, wenn man unwissend ist…).  Und er erinnerte uns daran – unter anderem zu meiner eigenen Orientierung –, dass die Schwierigkeit der Prüfungen, die wir durchlaufen müssen, immer im direkten Verhältnis zu den Kapazitäten eines jeden stünde, und dass ein aufrichtiger Glaube der Schlüssel zum Erfolg sei. Überflüssig, hinzuzufügen, dass die Wirkungen, die mit seinen Worten und seiner Gegenwart einhergingen, eine solche Erregung und Euphorie der Seele hervorriefen, dass alle Hindernisse sich auflösten.

So habe ich also meine ersten Schritte auf dem Lehrpfad der Spiritualität gemacht, zunächst durch Intuition, später dann durch offensichtliche Beweise. Ich stellte fest, dass in mir ein heftiges Fieber erwachte, eine unaussprechliche Sehnsucht nach Transzendenz, sowie der Wunsch, besser zu handeln und besser zu werden. Es ist wahr, dass Ostad eine durchdringende charismatische Ausstrahlung besaß, und dass sich die magnetische Wirkung seiner Person bis zur Grenze des gerade noch Erträglichen steigern konnte. Aber das trat nicht für jeden von uns offen zutage, denn er enthüllte seine spirituelle Macht anderen Menschen gegenüber nur, wenn er es wollte, und der Schlüssel dazu war der Glaube an seine Worte. Man muss glauben, um zu sehen und Gewissheit zu erlangen.

Jeden Abend, zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter, schloss ich mich also einer kleinen Gruppe an, die sich um ihn versammelte. Für gewöhnlich hat jemand aus der Zeitung vorgelesen, und Ostad gab einige Kommentare dazu ab. Dann erzählten die Schüler wichtige Ereignisse, die sie tagsüber erlebt hatten, und stellten Fragen, die er stets mit großem Wohlwollen beantwortete. Er gab Ratschläge, ging auf Stärken und gute Handlungen des ein oder anderen näher ein, wies die Schüler auf Schwächen hin, die entweder aus diesem Leben oder aus früherer Zeit stammten, oder auch auf Fehler, die sie gemacht hatten – aber immer auf eine sehr freundliche und liebevolle Art. Kurz gesagt, was er auch erklärte, niemals stieß er jemanden vor den Kopf, und was er auch analysierte, niemals verletzte er die Person. Und so konnten wir nicht umhin, schließlich zuzugeben, welchen Unsinn wir angestellt hatten.

Wenn er uns etwas erklären wollte, so tat er dies entweder mithilfe von Anekdoten oder Geschichten aus dem Leben der großen spirituellen Persönlichkeiten. Manchmal erzählte er auch von persönlichen Erfahrungen oder seinen ‚Träumen’, die im Sinne von Inszenierungen zu verstehen waren, oder er lieferte in mehr systematischer Weise Einblick in die Beschaffenheit und Bestimmung der Schöpfung bzw. in die wesentlichen Lehren, die die spirituellen Welten betreffen, und aus denen wir dann unsere Lektionen zogen.

Die Atmosphäre war intim und zugleich intensiv und sehr beruhigend. Beruhigend deshalb, weil es immer eine Antwort auf unsere Fragen und eine Lösung für unsere Probleme gab – er ließ keinen Bereich im Dunkeln (später erkannte ich, dass mein Verständnis von dem, was er sagte, eher oberflächlich war; dennoch waren seine Erklärungen stets sehr einleuchtend und auf mein Niveau abgestimmt.). Sein Blick, der zugleich durchdringend und mitfühlend war, sein Lächeln, das sein gütiges Gesicht erhellte, und auch sein Lachen, offen und gutherzig (Ostad hatte viel Humor), ließ die Seele in uns erbeben. Seine Worte richteten sich stets an die Seele, mit deren Sprache und Logik er auf bewundernswerte Art vertraut war. Kurz gesagt, er wurde zum Tor, durch das ich mit dem Göttlichen kommunizierte.

In seinen Lehren habe ich die Schlüssigkeit der Welt gefunden. Er hat all die verstreuten Teile, die zusammenhanglosen Elemente gesammelt und an ihren Platz gestellt. All die Warum und Wie, die die Welt und das Leben aufwirft, hat er beantwortet und erklärt. Er hat es geschafft, Licht in das Chaos zu bringen. Von größter Wichtigkeit war, dass er, um die Bedeutung der Welt zu rekonstruieren, Ausdrücke und Begriffe verwendete, die ich, bevor ich ihn getroffen hatte, absichtlich aus meinen Gedanken und meiner Sprache ausgeschlossen hatte (Gott, das Gute, das Böse, Belohnung, Ergebenheit). All diese Begriffe, die eine frömmelnde und altertümliche Anmutung hatten, hat er aktualisiert, wiederbelebt und genau definiert; er hat uns aufgezeigt, inwiefern sie untrennbar mit jeder Art von inneren Arbeit verbunden sind. Im Grunde waren diese Begriffe für uns leere Hülsen geworden, jeglicher Substanz entleert. Ostad Elahi hat uns geholfen, ihre wahre Bedeutung wieder zu finden, und jedes Einzelteil wieder an seinen Platz im unermesslichen Puzzle des Universums zu stellen.

Abschließend würde ich sagen, dass das, was Ostad Elahis Ansatz von anderen unterscheidet, die Kohärenz und Unmittelbarkeit seiner Lehren ist. Diese Kohärenz zeigt sich in allem, was er gesagt hat: Weder wird man Widersprüchlichkeiten darin finden, noch kann man einzelne Elemente absondern, denn alles ist miteinander vernetzt. Was die Unmittelbarkeit anbetrifft, zeigt sich, dass seine Lehren eine einzigartige Wirkung haben, da sie direkt das Herz und die Seele derer berühren, die sie vernehmen.

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