Zeugenbericht 1 Ich befand mich in Gegenwart einer Person, die meiner Meinung nach der größte Musiker war, den ich je in meinem Leben getroffen habe. […] Musik war seine Sprache und durch diese Musik habe ich von ihm gelernt. Auch sagte er mir dasselbe, was schon mein Vater gesagt hatte: Dass alle Religionen gleich sind und dass wir einer dieser Religionen folgen sollten, und dass sie ein Weg für uns sein kann, solange wir uns bewusst sind, dass kein Weg dem anderen überlegen ist. So entschloss ich mich, seinen Weg einzuschlagen: Das Gedankengut dieses Menschen hat mich stets geführt und führt mich immer noch. Bei diesem Treffen handelte es sich zugleich um eine persönliche und eine musikalische Begegnung. Ostad sprach kein Französisch, und so unterhielten wir uns in der Sprache der Musik. [mehr]
Zeugenbericht 2 Das erste Mal habe ich Ostad Elahi im Herbst 1963 in Teheran getroffen (ich bin Französin und lebte zu dieser Zeit bereits seit fünf Jahren in Teheran). Sein Schüler im eigentlichen Sinne wurde ich jedoch erst im Frühjahr 1964. Die Versammlungen fanden zunächst nicht zu festen Zeiten oder in regelmäßigen Abständen statt. Nach und nach bildete sich eine Gruppe von Personen, die sich ein Mal, mitunter zwei Mal pro Woche trafen, und hin und wieder fanden größere Zusammenkünfte statt, an denen viele Menschen teilnahmen. Anlass für diese größeren Treffen waren meist religiöse Feierlichkeiten. Darüberhinaus gab es einige Personen, die Ostad üblicherweise an bestimmten Abenden besuchten. Im Folgenden möchte ich gerne vorwiegend über diese informellen Zusammenkünfte sprechen, da sie das Forum waren, bei dem Ostad Elahi uns mit seinem Gedankengut vertraut machte. [mehr]
Zeugenbericht 3 In den späten Fünfzigern hatte ich eine starke Allergie in Hinblick auf die eigenartigen, aber gängigen Definitionen von Gott entwickelt. Ich hatte mir eine Art private Mythologie zurechtgezimmert, die mir letztendlich keine wirkliche innere Befriedigung brachte. Je mehr ich in meinem Geist suchte, desto mehr wurde mir bewusst, dass ich der Gefangene meiner eigenen fünf Sinne war. Und dennoch sagte mir die Logik meiner fünf Sinne, dass das, wonach ich suchte, außerhalb der endlos hohen Mauern dieses Fünfecks lag. Natürlich gab es da diese aufflackernden Momente, in denen ich hätte schwören können, dass ein geheimer Empfänger irgendwo ganz schwache Schwingungen aufnahm, die von außerhalb der Gefängnismauern kamen. Sollten diese Überlegungen in irgendeiner Weise für die Wirklichkeit relevant sein – was sie tatsächlich waren, wie ich nach einiger Zeit herausfand – dann würde ich nach einem spirituellen Experten suchen müssen, der in der Lage wäre, Löcher in diese Mauern zu bohren oder, noch besser, jemanden finden müssen, der fundierte Kenntnisse darüber besaß, was sich außerhalb der Mauern abspielte. [mehr]
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