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Ausschnitte aus Erkenntnis der Seele (Marefat ol-Ruh)
Die Zwischenwelt
[Ausschnitt aus Kapitel 7, S. 59] Da wir gerade über die Zwischenwelt gesprochen haben, wäre es nun angebracht, die unterschiedlichen Merkmale dieser Zwischenwelt zu erläutern, um sie dem Leser besser nahezubringen.
Die Zwischenwelt ist eine Welt, die zwischen dieser materiellen Welt und der ewigen Welt liegt. Es gibt dort keine räumliche Dimension und keine zeitlichen Beschränkungen [wie in dieser Welt]; in Hinblick auf ihr räumliches Fassungsvermögen ist die Zwischenwelt so unbegrenzt, dass, wenn jedes Geschöpf des Universums, vom ersten bis zum letzten, sich dort einfände, sich der Platz, den diese Geschöpfe einnehmen, in keinster Weise auf ihre relative Ausdehnung auswirken würde. Es verhält sich genauso wie mit den gedanklichen und mentalen Vorgängen im Gehirn des Menschen: Selbst wenn diese Vorgänge in unbegrenzter Anzahl stattfinden, können sie allesamt dort gespeichert werden, ohne dass dadurch das relative Fassungsvermögen des Gehirns verändert werden müsste. In Bezug auf die zeitliche Wahrnehmung ist es so, dass für jedes einzelne Wesen – in Abhängigkeit von seinem Schicksal und den Folgen seiner Taten – ein individuelles Zeitmaß existiert. Demzufolge kann es je nach Einzelfall so sein, dass ein ‚Jahr’ in der Zwischenwelt nicht die gleiche Länge besitzt wie ein Jahr auf der Erde. So kann etwa ein Jahr in der Zwischenwelt einer Sekunde auf der Erde entsprechen und umgekehrt.
Es wäre nun falsch anzunehmen, diese unterschiedlichen zeitlichen Ausmaße […] seien auf Einbildung oder Illusion zurückzuführen. Sie lassen sich nicht mit dem vergleichen, was wir uns in unseren Träumen vorstellen. Nehmen wir etwa an, dass jemand im Traum einen riesigen Raum sieht, in dem sich eine große Menge an Menschen über einen unvorstellbar langen Zeitraum aufhält: Sobald die Person erwacht, bleibt keinerlei faktische Wirklichkeit von dieser Vorstellung zurück.
In der Zwischenwelt jedoch, die eine Welt von [wirklichen] Bildern oder Nachbildungen ist, beruht die Ausdehnung von Zeit und Raum auf spirituellen Wahrnehmungen und nicht auf Vorstellungen von Volumen, Anzahl und Zeit der materiellen Welt. In anderen Worten ausgedrückt heißt das: Was auch immer die Person [in der Zwischenwelt] durch diese spirituelle Wahrnehmung erfährt, ist absolut wirklich und wahr.
Die Zwischenwelt wird auch als eine Art ‚imaginale Welt’ [oder Replik] bezeichnet. Denn wenn ein Wesen, das in der materiellen Welt gelebt hat, stirbt, wird es in der Zwischenwelt in der Gestalt und dem Aussehen und mit all seinen Eigenschaften erscheinen, die es in seinem irdischen Leben hatte. Hat das Wesen zudem in der materiellen Welt nicht über das Umfeld oder die Bedingungen verfügt, die es ihm ermöglicht hätten, seinen Prozess der Vervollkommnung fortzusetzen, wird ihm in der Zwischenwelt eine reale, spezifische Umgebung bereitet, die der irdischen Umgebung, die es gebraucht hätte, in Hinblick auf Beschaffenheit und Dauer genau gleicht. Wenn jemand z.B. als Kind stirbt, dann wird er den Rest seines ‚körperlichen’ Wachstums in der Zwischenwelt verbringen. Dasselbe gilt analog für alle anderen Fälle.
Schließlich muss betont werden, dass der Unterschied zwischen der materiellen Welt und der Zwischenwelt vergleichbar ist mit dem Unterschied zwischen [dem Zustand eines] Fötus im Bauch der Mutter und dem eines Neugeborenen – in anderen Worten, mit dem Unterschied zwischen Dunkelheit und Licht.
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